Architektur im Ringturm

ARC
Architektur | 17.11.2014

Bauherrenpreis 2014

18. November 2014 bis 30. Jänner 2014


Jährlich seit 1967 verleiht die Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs den Bauherrenpreis und zeichnet Bauten aus, die durch ihre außergewöhnliche architektonische Gestaltung und Ausführung bestechen. Darüber hinaus leisten die prämierten Projekte – in intensiver Zusammenarbeit zwischen BauherrInnen und ArchitektInnen entstanden – einen positiven Beitrag zur Entwicklung des jeweiligen Umfelds. Bereits zum vierten Mal in Folge präsentiert der Wiener Städtische Versicherungsverein in seiner „Architektur im Ringturm“-Reihe den Bauherrenpreis und vermittelt ein Bild der zeitgenössischen Architekturlandschaft Österreichs.

In einem Vorverfahren haben neun Bundesländerjurien aus den 110 eingelangten Einreichungen jeweils bis zu vier Bauten nominiert. Aus diesen ermittelte die international besetzte Hauptjury nach Besichtigung von insgesamt 27 nominierten Projekten die sieben Preisträger. Durch diese Vorgehensweise wird jedes prämierte Projekt auch internationalen Maßstäben gerecht.

Die ausgezeichneten Projekte im Detail


PaN Wohnpark, Interkulturelles Wohnen, Wien
Bauherrin: Neues Leben Gemeinnützige Bau-, Wohn- und
Siedlungsgenossenschaft, Dir. Karl-Heinz Stadler,  Dir. Wolfgang Reitterer, Dir. Johann Gruber
Architektur: Werner Neuwirth, Wien / von Ballmoos Krucker Architekten, Zürich / Sergion Bates, London
Landschaftsplanung: D\D Landschaftsplanung ZT KG, Anna Detzlhofer


Leistbares, schönes Wohnen ist rar. Der Sparstift wird auch beim geförderten Wohnbau angesetzt und macht attraktiven Wohnraum für eine breite Schicht schwer zugänglich. Daher fallen unorthodoxe Beispiele wie der PaN Wohnpark am ehemaligen Nordbahnhof besonders ins Auge. PaN steht für „Partner aller Nationen“ und ist ein Verband, der sich für ein harmonisches Zusammenleben von Wienerinnen und Wienern unterschiedlicher Herkunft einsetzt. Die 90 geförderten Mietwohnungen sind auf drei Häuser verteilt, die sich um einen Platz gruppieren und einen eigenen, urbanen Stadtraum bilden. Gemeinschaftseinrichtungen wie eine Lese-Lounge, ein Café mit weltoffener Atmosphäre sowie Gemeinschafts- und Kinderspielräume schaffen in der Leopoldstadt Orte der Begegnung und des Miteinanders.


VinziRast-mittendrin, Wien
Bauherrin: Verein Vinzenzgemeinschaft St. Stephan, Cecily Corti, Doris Kerbler
Architektur: gaupenraub +/- Wien,
Alexander Hagner, Ulrike Schartner


Für freien Hochschulzugang und gegen Studiengebühren gingen die Studierenden in Österreich im Jahr 2009 auf die Barrikaden. „unibrennt“ war damals das Motto der Protestierenden, die das Audimax der Universität Wien monatelang besetzten. Auch Obdachlose fanden in den Hörsälen Zuflucht und der gemeinsame Alltag schweißte zusammen. Das gemeinsame Kochen, Diskutieren, Musizieren und Organisieren lebt im Wiener VinziRast-mittendrin weiter. Studierende entwickelten und realisierten gemeinsam mit dem Verein Vinzenzgemeinschaft St. Stephan und dem Team gaupenraub +/- ein besonderes Konzept: In der Wiener Währinger Straße wohnen und arbeiten Studierende mit ehemaligen Obdachlosen in Wohngemeinschaften zusammen. Darüber hinaus beherbergt VinziRast-mittendrin einen Dachgarten mit Atelier, Werkstätten im Erdgeschoß, die Tischlerarbeiten und Radreparaturen ausführen und das öffentliche Lokal, getrennt als GmbH von Projektbeteiligten geführt, ohne Konsumzwang, mit Gastgarten im Hof. Der revitalisierte Altbau rückt Menschen in den Vordergrund, die respektvoll und vorurteilsfrei aufeinander zugehen.


Generalat Halleiner Schwestern Franziskanerinnen, Salzburg
Bauherrin: HSF Immobilien GmbH Oberalm, SR Emanuela Resch, SR Benedicta Lienbacher, Bmst. Manfred Steinlechner
Architektur: Heinz Tesar, Wien


Einfach, kontemplativ, karitativ und gemeinnützig – die Ordensfrauen aus Hallein leben und wirken nach dem Vorbild von Franz und Klara von Assisi, die ihr Leben in den Dienst an der Allgemeinheit stellten. So kümmern sich die Franziskanerinnen seit dem 18. Jahrhundert um Waisenkinder und haben sich Schichten verschrieben, die sich schulische Bildung nicht leisten konnten. Die franziskanische Lebenshaltung, geprägt durch Sparsamkeit, spiegelt sich auch im Bauprojekt für die Ordensgemeinschaft wider. Das bestehende Ensemble von Schloss und Altenwohnheim Kahlsperg ergänzte der Wiener Architekt Heinz Tesar in Zusammenarbeit mit den franziskanischen Schwestern. Ihre Wünsche nach einem schlichten Raumkonzept, das praktisch bewältigbar, für künftige Veränderungen tauglich und aus einfachsten Materialien ist, wurden erfüllt.


Kulturzentrum Ischgl, Tirol
Bauherrin: Gemeinde Ischgl, Bgm. Werner Kurz, Christian Schmid
Architektur: parc ZT GmbH, Innsbruck, Michael Fuchs, Barbara Poberschnigg


Aus dem einst armen Bergdorf Ischgl hat sich im Laufe der letzten 30 Jahre eine sogenannte Bettenburg entwickelt. Das Mekka für Wintersportliebhaber in Österreich hat aber noch mehr zu bieten: Nach wie vor gibt es das Dorf als Sozialgefüge, das über eine vielseitige Vereinslandschaft verfügt. Das will gepflegt werden und braucht Raum. Am Widum Platz im Ortszentrum fand das Gemeinschaftsleben ein neues, barrierefreies Zuhause und beherbergt jetzt Chor, Bibliothek und Dorfarchiv. Eine große „Stube“ mit Schank bietet ohne Konsumzwang allen Ischgler Vereinen Platz für Zusammenkünfte. Durch das Einbeziehen der gesamten Dorfgemeinschaft von Anfang an, stieß das Projekt auf breite Zustimmung.


Ausstellungs- und Versammlungshalle Werkraum Bregenzerwald, Andelsbuch, Vorarlberg
Bauherr: Werkraum Bregenzerwald, Renate Breuß, Anton Kaufmann
Architektur: Peter Zumthor, Haldenstein


Mit dem Werkraum Bregenzerwald haben sich 84 Handwerksbetriebe aus der Region eine gemeinsame Plattform geschaffen. Ein Ort ist entstanden, an dem modernes Handwerk seinen Platz für Präsentation und Diskurs findet. Regelmäßige Ausstellungen, Wettbewerbe und Vorträge fördern den Austausch und bestärken die Handwerksbetriebe, überwiegend lokale und recyclebare Rohstoffe zu nutzen. Als Schaufenster nach außen und Bildungsforum nach innen stellt sich die Bauherrschaft mit dem Pavillon „selbst vor“ und wird zum regional und global wegweisenden Beispiel.


Schatzkammer Gurk, Dom zu Gurk, Kärnten
Bauherrin: Diözese Gurk, Klagenfurt, DI Fritz Breitfuss, Msgr. Mag. Gerhard Christoph Kalidz, Dr. Eduard Mahlknecht
Architektur: winkler + ruck architekten, Klagenfurt


Der Dom zu Gurk, Grab der Kärntner Schutzpatronin Hemma, ist kein Hotspot des Kulturtourismus. Für Liebhaber romanischer Baukunst in Europa aber allemal eine Reise wert. Insbesondere mit der Übersiedlung der Diözesan-Schatzkammer, die vorher schwer zugänglich in einem Stadthaus lagerte, erhielt der Ort ein außergewöhnliches Museum – und einen weiteren Anreiz, Gurk in Reiseplanungen aufzunehmen. Räumlich, technisch und funktional adaptierte die Bauherrschaft tausend Quadratmeter denkmalgeschützter Substanz des Propsthofes, um sie neu zu erschließen und Objekte aus Vergangenheit und Gegenwart aus unterschiedlichen Epochen stimmig zu präsentieren.


Betriebsgebäude Office OFF Steinberg-Dörfl, Burgenland
Bauherr: Johannes Stimakovits, FOB-face of buildings
Architektur: heri&salli, Wien, Josef Saller, Heribert Wolfmayr


Stahl-SpezialistInnen wagten sich mit ihrem Firmensitz auf ein ungewohntes Terrain: Das Wiener Architekturbüro heri&salli konzipierte für FOB-face of buildings, spezialisiert auf Stahl-Glas-Fassaden, ein neues Bürogebäude aus Holz. Die Idee, eine Umgebung zu schaffen, in der Arbeit und Leben aufeinander treffen, führte die Planer zu einem energieautarken, ökonomischen Gebäude. Integrierte Besprechungszonen sowie Wohlfühl- und Ruhebereiche dehnen den traditionellen Begriff des Arbeitsplatzes und lassen die Grenzen zur Freizeitkultur verschwimmen.


Katalog
Architektur im Ringturm XXXVIII. Bauherrenpreis 2014. (Hg.) Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs, ca. 85 Seiten. Preis: 18 Euro

Begleitende Veranstaltungen im Ringturm:
Podiumsdiskussion, 25. November 2014, 16 Uhr
Jurorenführung, 2. Dezember 2014, 16 Uhr
Gesprächsrunde „Die Rolle des Bauherren im geförderten Wohnbau“, 8. Jänner 2015, 16 Uhr

Kurator:
Adolph Stiller

Ausstellungsort:

Ausstellungszentrum im Ringturm
1010 Wien, Schottenring 30

Presseführung:

Montag, 17. November 2014, 11:00 Uhr

Am Podium: 

Adolph Stiller, Otto Kapfinger

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag: 9:00 bis 18:00 Uhr, freier Eintritt
(an Feiertagen sowie am 24. und 31.12. geschlossen)

Eröffnung:

Montag, 17. November 2014, 18:30 Uhr (Einlass nur mit Einladung)

Rückfragen an:

Silvia Polan
T: +43 (0)50 390-21064
F: +43 (0)50 390 99-21064
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